Der Schüleraustausch mit Tarbes


Der Schüleraustausch mit Tarbes ist entstanden aus der Partnerschaft zwischen den beiden Städten und ebenso alt wie diese: Vor zwanzig Jahren, 1972, fuhr zum ersten Mal eine Schülergruppe von Gymnasium und Realschule nach Südfrankreich, eine erste Partnergruppe französischer Schüler kam in den Westerwald. Seitdem haben Jahr für Jahr im Durchschnitt 35 Jungen und Mädchen zwei bis drei Wochen bei einer Partnerfamilie verbracht und ihren französischen "Correspondent" in der eigenen Familie aufgenommen: Bis heute insgesamt rund 1.400 Teilnehmer von beiden Seiten, wenn man außer acht läßt, daß der eine oder andere mehr als einmal am Austausch teilgenommen hat.

   Der Austausch mit Tarbes ist nicht ein Schüleraustausch zwischen zwei Schulen: Die Altenkirchener Schüler kommen vom Gymnasium und der Realschule, in Tarbes sind es mehrere Colleges, die ihren Schülern die Teilnahme anbieten. Das primäre Ziel ist denn auch nicht der Schulbesuch im anderen Land, sondern das Leben in und mit der Gastfamilie. Die Termine für den Besuch im Gastland sind zwar so gelegt, daß die Schüler jeweils einige Tage in den Unterricht mitgehen können und so einen kleinen Einblick in die Schule des anderen Landes bekommen, der größere Anteil fällt aber in die Ferien und soll Gelegenheit bieten, etwas von der Lebensart des Gastlandes kennenzulernen, und das sehr viel unmittelbarer, als es ein Tourist je kann. Und dann endlich die Gelegenheit, die Kenntnisse in der fremden Sprache, auch wenn sie noch sehr unvollkommen sind, einmal nicht im Unterricht, sondern im wirklichen Leben zu verwenden! Große Fortschritte oder gar bessere Schulnoten sollte man von zwei, drei Wochen nicht erwarten, wohl aber mehr Mut und Selbstsicherheit, sich in der fremden Sprache zu äußern. Und vielleicht einen neuen Anstoß, sich auch in der Schule wieder intensiver mit ihr zu beschäftigen.

   Schon die Fahrt nach Tarbes ist ein Ereignis: Mit Bus und Bahn über Köln nach Paris, dort wieder umsteigen in einen Bus, um vom Nordbahnhof quer durch die Innenstadt zu einem der Bahnhöfe zu gelangen, wo die Züge nach Süden abfahren. (Wenn man Glück hat und der Busfahrer hat etwas Zeit, ist er auch bereit, einen Umweg über die Champs Elysees zu machen.) Dann wieder eine lange Bahnfahrt bis an den Rand der Pyrenäen. Die Stadt selber mit ihren im- merhin bald 60.000 Einwohnern ohne besondere Sehenswürdigkeiten, inzwischen sehr modern und sehr französisch, demnächst mit einem neugestalteten zentralen Platz, der die umliegenden Cafes, beliebter Treffpunkt der Schüler, noch anziehender machen wird. Ausflüge in die Pyrenäen und an die Atlantikküste gehören zum festen Programm (so wie Köln und der Rhein für die französischen Gäste).

   Die Organisation des Austausches erfordert eine gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Rathaus, wobei das letztere mit Zuschüssen nicht kleinlich ist: Zweihundert Mark zahlt jeder Teilnehmer, was darüber hinaus geht, für Fahrtkosten, Ausflüge und Unterbringung der Begleitpersonen, übernehmen die Städte bzw. in Altenkirchen auch die Verbandsgemeinde. Jahr für Jahr ein erheblicher Betrag, der aber nach Meinung aller Beteiligten gut angelegt ist.

   Die Schulen haben die Aufgabe, jedes Jahr von neuem Neugier und Bereitschaft für die Teilnahme zu wecken. Hoffen wir, daß das weitere zwanzig Jahre gelingt!

P. Schmitt

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