Skischullandheimaufenthalte – seit fünf Jahren eine neue Ära an unserer Schule


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"Ist die Verletzungsgefahr nicht zu groß?", "Wir betreiben mit unserer Familie keinen Wintersport", "Meine Tochter besitzt keine Skiausrüstung", "Sind diese Klassenfahrten nicht zu teuer?", "Wie gestaltet sich der Tagesablauf während einer Fahrt im Winter?", "Ist es verantwortlich, jugendliche für eine Sportart zu interessieren, deren umweltpolitisches Ansehen angekratzt ist?" – solche und ähnliche durchaus berechtigte Äußerungen, Fragen und Bedenken von Eltern prägen den Ablauf von Elternabenden, die die Planung eines Skischullandheimaufenthaltes thematisieren. Die inhaltliche Breite der zitierten Fragen signalisiert das große Informationsbedürfnis und -definit, das augenscheinlich auf Seiten der Eltern – und im übrigen auch oft der Schüler – besteht. Diese Lücke zu schließen soll Ziel dieses Artikels sein. Das Fazit dieser Fahrten, auf persönliche Erfahrungen gestützt, sei vorweggenommen: Es lohnt sich, solche Fahrten anzubieten. Sie bereichern das Fahrtenangebot in der Mittelstufe und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, auch unter den Schülern unserer Schule. Was ist nun eigentlich das spezifisch Andere dieser Fahrten, die in der von Schulfahrten in aller Regel gemiedenen (kalten) Jahreszeit stattfinden?

– Vielen Schüler ermöglicht ein Skischullandheimaufenthalt die erste Begegnung mit einer noch fremden Landschaft, nämlich dem (Hoch-)Gebirge. Angesichts unsicherer Schneeverhältnisse im Januar/Februar in den deutschen Mittelgebirgen bzw. deutschen Alpen führen diese Fahrten meistens ins Ausland, nach Österreich oder Italien (Südtirol). Andere Alpenländer kommen meist aus Kostengründen nicht in Frage. Unbekannte Siedlungs, Wirtschafts- und Lebensformen kennen lernen, andere Formen von Naturbegegnung und -erlebnis erfahren und neuen Umweltproblemen und -gefahren in einer nicht vertrauten Landschaft begegnen, all das bereichert ohne Zweifel die Erfahrenswelt eines jugendlichen.

– Der Akzent dieser Fahrten, ob Alpinski- oder Langlauf, liegt zwangsläufig in der aktiven körperlichen Betätigung im Freien – für die Altersjahrgänge der Mittelstufe im übrigen eine sinnvolle Sache. Sich der Herausforderung zu stellen, Skilaufen zu lernen, verlangt vielen Schülern über die sportlichen Ansprüche hinweg Willensstärke, Mut zur eigenen Überwindung, Durchhaltevermögen und nicht zuletzt Akzeptanz des eigenen (vorläufigen) Unvermögens ab. Während so mancher Fahrt ist durch das Skifahren die Rollenhierarchie in einer Klasse neu "geordnet" worden, sind durch bisher unbekannte Fähigkeiten Schüler/-innen aus dem sozialen Schatten anderer herausgetreten.

– Es versteht sich von selbst, dass eine Vorbereitung im Sportunterricht langfristig vorher erfolgen muss. jeder Schüler freut sich über ein gezieltes Konditionstraining oder von Musik begleitete Skigymnastik anstelle des ach so geliebten Gerätetimens(I)‘ Bereitet der Sportlehrer die Schülergruppe sportlich vernünftig vor und kennt und re-

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spektiert der Ski-Übungsleiter sowohl die absolut erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen im Gelände als auch die methodisch richtigen Schritte in der Übungsabfolge, so muss Skilaufen keine gefährlichere Sportart sein als andere von den Schülern praktizierte. Die richtige Einschätzung, Überanstrengung der Schüler bei überwiegend ungewohnten Bewegungsabläufen zu vermeiden, verlangt den Begleitpersonen Augenmaß ab.

– Die Stärkung des "Wir-Gefühls" und die Kontaktmöglichkeiten unter den Fahrtteilnehmern werden anlässlich der Winterfahrten insbesondere gefördert. Der Gleichstand im skifahrerischen Können (etwa 90 % der Schüler sind jeweils Anfänger), die unmittelbare Nähe im Skikurs vor- und nachmittags, das direkte Nebeneinander bei längeren Liftfahrten, die langen Abende im "eigenen" Haus oder in Hütten, kurzum: die Gemeinsamkeit während eines beträchtlichen Teils des Tages fordert die Gruppenmitglieder, sich zu arrangieren, ein Ausweichen existiert kaum. Gemeinsam spielen, aber auch handfeste Konflikte konstruktiv austragen,… breit ist die Palette abendlicher Beschäftigungen, das Sozialgefüge in der Klasse zu stabilisieren bzw. zu verbessern.

– Bleibt nur noch die Frage nach der Skiausrüstung bzw. den Kosten. Bei Freunden, Nachbarn, Verwandten und Bekannten nachgefragt, kann sich bereits ein ansehnlicher Teil der Schüler selbst ausstatten, unter Anleitung und Betreuung der betreffenden Lehrer selbstverständlich. Die zweite Quelle ist der Skistall im Schulzentrum, der unter der Regie von zwei Realschul- und einem Gymnasiallehrer über einen inzwischen reichen Fundus an Schuhen, Stöcken und Skiern verfügt. In Kenntnis der jeweiligen Erfordernisse und technischen Möglichkeiten wird sich der Lehrer den Ausrüstungsfragen anzunehmen haben. Bei umsichtiger zweck- und bedürfnisorientierter Auswahl des Zielortes – kleine(re) Skigebiete reichen in aller Regel völlig aus – und einer angemessenen Unterkunft sind Skischullandheimaufenthalte eigentlich kostengünstig, mitunter sogar günstiger als vergleichbare Fahrten im Sommer. Diese Erfahrung erfreut und überzeugt immer wieder.

Abschließend sei festgehalten, dass Schulskikurse unter den Schülern unserer Schule, die auf eine solche Fahrt zurückblicken können, insgesamt eine sehr positive Resonanz gefunden haben. Neben den für jede Schulfahrt gültigen Grundsätzen ist bei der Planung und Durchführung von Skifahrten jedoch besonderes Augenmerk zu richten auf zwei weitere Grundprinzipien: auf "Umweltverträglichkeit" (und das kann, je nach Schneelage, bedeuten, kein Ski zu laufen) und "Sicherheitsbewusstsein" (im Sinne von Unfallvermeidung und rechtlicher Absicherung der Lehrer). Darüber hinausgehend liegt vieles für einen Erfolg der Fahrt, wie immer, in der Hand der Gruppe.

Na dann … Ski Heil! R. Zander

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