Schüler und Schülerinnen zum 8. Mai 1945/1995


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Im Rahmen meines Geschichtsunterrichts in der 10. Klasse fragte ich die Schüler und Schülerinnen zu ihren Ansichten zum 8. Mai; hier einige Äußerungen:

Es ist sehr traurig und bedrückend, dass es Menschen gibt, die nicht mal wissen, was überhaupt am 8. Mai 1945 geschah. Silvia B.

Im Laufe der Jahre hat sich die Bedeutung des Datums in der Öffentlichkeit geändert: Noch 1955 war es ein Tag der Niederlage, bis 1970 der Tag der Kapitulation. Erst ab 1975 gilt der 8. Mai als Tag der Befreiung. [ … ] Ich finde nicht, dass man den 8. Mai als Feiertag proklamieren sollte. Doch ein Gedenktag ist er und muss er bleiben. Nur wer aus der Geschichte lernt, kann die Zukunft meistern. Kirsten S.

"Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen."
Anna W., aus Weizsäckers Rede zum 8. Mai 1985

Es sollte einen Gedenktag geben, an dem man der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedenkt; aber vielmehr würde ich mir wünschen, dass am 8. Mai aller Menschen gedacht wird, die verfolgt, ermordet, ausgewiesen und gedemütigt werden. Des weiteren sollte es am 8. Mai bzw. um den 8. Mai herum Aktionen geben, die Behinderten und Obdachlosen helfen (die werden nämlich immer gerne vergessen, auch von Roman Herzog). [ .. ] Der 8. Mai sollte ein Tag der Toleranz sein, auch gegenüber homosexuellen Menschen. Denn nur so können "wir Deutsche" der Welt zeigen, dass wir nicht mehr Nazis sind, sondern aus unserer Geschichte gelernt haben […] Melanie A.

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Deutschland sollte meiner Meinung nach am 8. Mai 10 Minuten "zur Ruhe" kommen und nachdenken über die damalige und jetzige Situation. Inga K.

Meiner Ansicht nach darf man den 8. Mai als Gedenktag nicht vergessen, weil es ein wichtiger Tag der deutschen Geschichte ist und außerdem an die tapferen Kämpfer gedacht werden muss, welche in diesem Krieg ihr Leben verloren. Petra S.

[Ich finde], dass der 8. Mai ein Gedenktag zum Ende des Krieges ist, aber dem Gedenken einer Befreiung nicht würdig ist, denn diese trat für die Ostdeutschen erst am 3.10. 90 ein. Sven M.

Ich denke, es ist sehr wichtig, diesen Tag zufeiern. Schließlich können wir froh darüber sein, dass Hitlers Regime besiegt wurde. Andererseits müssten wir trauern. Ich denke, es müsste uns nachdenklich stimmen, wie einfach eine solche Katastrophe entstehen kann. Es ist wichtig, dass aus solchen grausamen Dingen in der Geschichte gelernt wird. Monja G.

Ich denke einfach, dass ein Gedenktag aufrüttelt, während man an einem Feiertag im Bett liegt und träumt; ich denke doch, dass es bei den meisten so sein würde. Man genießt den freien Tag, und ein Teil der Bevölkerung ignoriert den Grund für diesen angenehmen Tag in Familie, ohne auch nur eine Minute an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur zu denken. Maureen L.

So konnte man sich denn auch schon vorher seelisch auf den 8. Mai einstellen, indem man eifrig auf fast allen Programmen "die letzten Tage" verfolgte. Ob dies nun dazu beitrug, die Zuschauer nachdenklich zu stimmen und sich ihrer Vergangenheit zu entsinnen, ist eine andere Frage. Die entnervten Ausrufe: "Schon wieder das!", die man sonst nur bei der Werbung vernimmt, sagen da wohl alles. Trotzdem ließen es sich die Politiker nicht nehmen, sich auf allen möglichen >Gedenkfeiern<, sei es nun an ehemaligen KZ-Stätten oder beim Staatsakt oder eben in Rußland zu zeigen. Kohl & Co. waren überall vertreten, um mit ernsten Gesichtern ellenlange (?) Reden zu halten, die alle mehr oder weniger dasselbe sagten. Ob das in der Öffentlichkeit so gut ‚rüberkam? Silvia H.

Die Zitate stellte Jens Kowalke zusammen.

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