Unser letzter (?!) Betriebsausflug (soz. Tag)


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Nach den letzten gelungenen Lehrerausflügen nach Oppenheim (Sept. 90), ins Ahrtal (Sept. 91), ins Ruhrtal (Sept. 92) ging es diesmal in den Rheingau. Dabei sah es lange Zeit gar nicht so aus, als ob dieser (vorläufig letzte Ausflug dieser Art) überhaupt stattfinden würde: Aus "Ersparnisgründen" lt. Rundschreiben vom… ( … ) wurde dieser traditionsreiche, für das Schulklima eigentlich sehr wichtige Tag kurzerhand gestrichen – jedenfalls darf in Zukunft dafür kein Unterricht mehr ausfallen. Nähere Gründe, warum dies denn eine Ersparnis sei, konnten bei der Bezirksregierung (zum aktuellen Zeitpunkt) nicht in Erfahrung gebracht werden – weil die Bezirksregierung wegen Betriebsausflug geschlossen war! Da tobte die Wut, der Frust schnaufte! Jetzt erst recht – dachten die meisten! Dann fahren wir eben gleich nach Dienstschluss an einem Freitag Nachmittag! Nach vielen "wenn-und-aber", "hin-und-her" – wie es sich für ein Schulzentrum unter dem Druck des gemeinsamen Handelns gehört – einigte man sich auf Freitag, den 1.Oktober, 11.30 Uhr (die 5. und 6. Unterrichtsstunde durften wir großzügigerweise verschieben und vor den nächsten Ferien nachholen).

Das war einer Kollegin doch zu viel. Aus Protest gegen die Landesregierung fuhr sie demonstrativ nicht mit!

Alle anderen dachten immer noch: jetzt erst recht!

Das Ziel war schon länger ins Auge gefasst, Organisatorisches schon vor dem Verdikt aus Mainz geleistet: Diesmal sollte es in den Rheingau gehen. Die Herren Baldus, Frischholz, Kowalke und Recke hatten auf einer Vorexkursion weinselig in Reckescher Heimat alles geplant und geregelt – nur eines nicht bedacht/nicht bedenken können: es standen uns nun vier Stunden weniger Zeit zur Verfügung! Nun erst recht (dachten die vier), der Plan wird durchgezogen – dann laufen wir eben ein bisschen schneller!

Doch der Pechvogel schwebte über den Häuptern – dunkle Vorahnungen befielen die meisten. Im Restaurant "Schloss Vollrads" sollte unser gemeinsames Abendessen für den gewohnt fröhlichen Abschluss; allein die geforderte "Speise-Wunschliste" (mit Einschränkungen und Auflagen) brachte einen der Organisatoren an den Rand der Verzweiflung! Es soll Kollegen gegeben haben, die nicht mehr als sechs Pommes frites auf dem Teller gezählt haben.

Dennoch starteten alle – nach vier Unterrichtsstunden schon etwas abgeschlafft – frohgemut um 11.30 Uhr. Das schon traditionelle Sektfrühstück (von Jahr zu Jahr opulenter, diesmal organisiert von Frau Hamdorf, finanziert von den "Neuen": den Herren Breinig, Czycholl, Redmile und Schnare) war wieder ein voller Erfolg; auch wenn es diesmal aufgrund der o. a. Umstände eher zum Mittagessen ("Brunch") wurde. Dies und auch der schöne Platz am Rheinufer unter den Dächern der großen Weinfässer bei Eltville-Hattenheim trugen dazu

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bei, dass die Pause zu Recht (aber gegen den Zeitplan: s. o.!) ausgedehnt wurde.

Der anschließende Spaziergang durch die Weinberge – von Schloss Johannisberg über Schloss Vollrads nach Kloster Eberbach – wurde dann eher zu einem "Nieselregen-Orientierungsrennen", vor allem für die kleine Gruppe der Unbeugsamen und Wetterfesten, die sich die lange Wanderstrecke (ca. 10 km) nicht nehmen lassen wollte. Die große Menge zog es jedenfalls vor, von Schloss Vollrads aus (Wanderstrecke ca. 3 km) mit dem Bus nach Kloster Eberbach zu fahren und dort an einer Führung teilzunehmen.

Das Kloster war der Treffpunkt für Wanderer und Fahrer, und die Wanderer brauchten doch sehr viel länger als geplant. Der nächste Termin saß den Organisatoren im Nacken: Weindorf Kiedrich, St. Valentin, 17.00 Uhr! Flüchten oder Standhalten? Die meisten entschieden sich für das erste: Mit dem Bus schnell nach Kiedrich (3 km), Bus zurückschicken, den Rest nachholen (und einen verlorengegangenen Sohn suchen, der "Im Namen der Rose" auf Spurensuche nach Umberto Ecco verschwunden war).

Kiedrich war (dank der Beziehungen von Herrn Recke) ein einmaliges Erlebnis für die einen, vor allem aufgrund der temperamentvollen Einführung von Chorregent Hilkenbach in die nur noch hier praktizierten gregorianischen Gesänge: eine Musik-Kultur-Unterrichtsstunde par excellence! Welch zusätzliche Freude, als zu dieser Zeit ein weiteres Lehrerkollegium (aus Bingen) hinzustieß und viele Bekannte sich wiedererkannten!

Die einen vergaßen hier ganz die Zeit – und die anderen! Wo blieben sie nur? Hatten sie sich verlaufen? Man fand sie misslaunig, zerknirscht im Bus auf dem Parkplatz vor Kiedrich: Man hatte vergessen, ihnen das nächste Ziel genauer zu erläutern! Aber wir hatten ja Trost bereit: Uns stand noch der Höhepunkt des Ausfluges bevor, das Abendessen in einem echten Schloss-Restaurant!

Über die Einzelheiten dieses Mahls hüllt sich der Schreiber in Schweigen. Nur soviel sei verraten: Es wurde später als gedacht, und Herr Wegener konnte gerade noch daran gehindert werden, seine trockenen Brötchen aus dem Bus zu holein!

So gestärkt kamen wir erst nach Mitternacht wieder in Altenkirchen an, ohne zu vergessen, dass wir um diese Stunde drei (!) Geburtstagskinder hatten.

Ob das alles Zufall war?

Wiederholungen sind jedenfalls nicht mehr möglich – aber nicht nur deshalb wird uns dieser Ausflug für immer im Gedächtnis bleiben.

K.Frischholz

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