Zurück ins Paradies – mit EVA


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Die Schüler und Schülerinnen hatten frei und diejenigen, die sonst immer lehren, gingen in Klausur, um zu lernen. Zwei Tage lang setzten sich die Lehrer und Lehrerinnen des Westerwald – Gymnasiums mit dem bekannten Fachmann Dr. Klippert vom Institut Landau zusammen, der sein auch in anderen Bundesländern und in Wirtschaftsbetrieben erfolgreiches Methodenkonzept EVA (eigenverantwortliches Arbeiten) vorstellte. Es geht dabei um Verfahren, mit denen die Schüler und Schülerinnen im Unterricht zu selbständigem Lernen aktiviert werden können. Dr. Klippert skizzierte die Probleme des heutigen Schulalltags von Jugendlichen, die

immer weniger lesen und schreiben;

wegen der Reizüberflutung durch die Bild – Medien immer unkonzentrierter werden;

verwöhnt sind von der ständig laufenden Unterhaltungsmaschinerie der Medienkonzerne;

gelangweilt sind durch ständigen Frontalunterricht, der ihnen die Möglichkeiten gibt, den Arbeitsanforderungen auszuweichen.

Das führt auf der Seite der Lehrenden dazu, daß sie

unter dem ständigen Druck stehen, eine immer anspruchsvollere Schülerschaft motivieren und unterhalten zu müssen;

ständig einige unkonzentrierte und störende Schüler und Schülerinnen disziplinieren und zum Arbeiten anhalten zu müssen; häufig das Gefühl haben, ins Leere zu arbeiten;

sich durch den Frontalunterricht ständig in den Mittelpunkt gerückt zu sehen, was zu Erschöpfung führt.

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Das Methodentraining EVA soll nun dazu führen, einige dieser Probleme zu entschärfen oder gar zu beseitigen. Die Schüler und Schülerinnen sollen dazu befähigt werden ihre inaktive Konsumentenhaltung abzulegen und den Unterricht aktiv mitzugestalten.

Zwei Tage lang diskutierten die Altenkirchener Gymnasiallehrer und Lehrerinnen mit Dr. Klippert diese zum Teil bekannten, zum Teil neuen Methoden und spielten sie auch exemplarisch durch, um die Wirkung auf die Schüler und Schülerinnen an sich selbst zu testen. Sie lösten Aufgaben aus verschiedenen Fächern von Mathematik bis Sozialkunde; sie trainierten kommunikative Arbeitsformen mit solch anschaulichen Namen wie "Reißverschluß" oder "Kugellager", sie hielten Kurzvorträge, wie Schüler und Schülerinnen es vor der Klasse tun müssen und vieles mehr.

Aus den ersten Erfahrungen von Kollegen und Kolleginnen mit EVA im Schuljahr 97/98 ergaben sich eine Reihe struktureller Fragen: Wie groß und aus welchen Fachkollegen und -kolleginnen sollten sich die Lehrer- und Lehrerinnen -Teams der einzelnen Klassen zusammensetzen? Ist eine gemeinsame Springstunde nicht unabdingbare Voraussetzung für eine kontinuierliche und damit produktive Teamarbeit und wie ist sie im Stundenplan zu realisieren? Wie sollte das Training der Lern-, Kommunikations- und Präsentationsformen in der MSS aussehen? In welchem Rahmen sollte es stattfinden? In welcher Form sollten die sogenannten "produktiven Fachkonferenzen", d.h. Fachkonferenzen, die Unterrichtsinhalte zur eigenständigen Erarbeitung durch die Schüler und Schülerinnen aufbereiten, stattfinden?

Dr. Klippert beantwortete diese Fragen aus seiner langjährigen Erfahrung in den verschiedenen Schultypen und Bundesländern. Er regte an, daß die Schule einen eigenen Rahmenplan entwickeln solle: Ein Koordinationsteam, das aus Vertretern und Vertreterinnen der Fachgruppen und Jahrgangsstufenteams bestehen sollte, müsse konstituiert werden. Dieses sollte einen Zeitplan für das methodenorientierte Arbeiten im Schuljahr festlegen: Termine für produktive Fachkonferenzen, ganztägige Teambesprechungen und Austauschmöglichkeiten über die Erfahrungen zwischen den Teams.

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Der neue Mehrzweckraum des Gymnasiums erwies sich für dieses Trainingsprogramm als hervorragend geeignet. In der Nachmittagspause des ersten Tages wurde Kaffee und Kuchen, in der Mittagspause des zweiten Tages ein Imbiß angeboten, beides von "Haus Felsenkeller" geliefert. An diesem Freitagnachmittag waren die Kollegen und Kolleginnen des Westerwald – Gymnasiums sich darin einig, den begonnen Weg zu einem wirksameren Lehren und aktiveren Lernen weiter fortsetzen zu wollen.

D. Heselhaus M. Limpert

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